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in der Audorfer Geschichte

Aktuelles und Berichte

Vortrag „Kelten am Alpenrand Inntal – Saalach- und Salzachtal im Vergleich“ und Exkursion nach Hallein, zum Dürrnberg und zum Karlstein mit dem Historischen Verein Audorf e.V. :

Am 6. April konnte der 1. Vorsitzende des Historischen Vereins Audorf, Norbert Schön, im voll besetzten Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Oberaudorf den Münchner Archäologen und Kelten-Experten Dr. Irlinger, Abteilungsleiter beim bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, begrüßen. 

Vorbereitend auf die geplante Exkursion nach Hallein, zum Dürrnberg und zum Karlstein bei Bad-Reichenhall nahm Dr. Irlinger Vereinsmitglieder und Gäste  auf eine spannende Zeitreise in das 6. Jh. v. Chr bis um Christi Geburt in die Welt der Kelten mit. Da die Kelten keinerlei schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen haben, ist man auf Funde angewiesen, die von den Archäologen bei den bisher erfolgten Ausgrabungen entdeckt wurden. In seinem gesamten Vortrag wies Dr. Irlinger immer wieder darauf hin, dass alle drei Standorte den Ausgang aus einem Alpental markieren. Im Fall von Oberaudorf und Karlstein lagen sie zudem an einem wichtigen Transportweg über die Alpen, bei der Ansiedlung am Dürrnberg standen die Salzvorkommen im Vordergrund. Dort haben archäologische Untersuchungen ein System von Bergwerksstollen von rund 5,5 km Länge entdeckt.

Stets lagen die keltischen Siedlungen an markanten geologischen Stellen in erhöhter sicherer Position. Anhand von Skizzen der Ausgrabungsstätten und Fotos dieser Funde konnte Dr. Irlinger ein genaues Bild des Lebens dieser Menschen zeichnen. Seine detaillierten Ausführungen nahmen die Anwesenden gefangen, besonders auch jene über die in Oberaudorf am Burgberg gemachten Funde aus der Zeit der Kelten. Dass Oberaudorf  durch seine geografisch  günstige Lage eine wichtige Station auf den Handelswegen der keltischen Zeit gewesen ist, zeigen die qualitätvollen ausgegrabenen Schmuckstücke, Werkzeuge und Münzen.. Das Besondere an den Oberaudorfer Funden ist, dass sie die gesamte Zeitspanne der Keltenzeit von 600 v. Chr. bis um Christi Geburt abdecken. Das findet man bei den Funden vom Dürrnberg und vom Karlstein nicht! Die Fundstücke vom Oberaudorfer Burgberg sind im Burgtormuseum zu besichtigen. Laut Dr. Irlinger würde es sich lohnen, in Oberaudorf nach weiteren keltischen Siedlungsspuren zu suchen, da bisher beispielsweise kein Gräberfeld bekannt ist.

Nach Beendigung seiner Ausführungen schloss sich eine lange Diskussion und Fragestellung an, die das große Interesse der Anwesenden an diesem Thema deutlich machte. Dr. Irlinger musste schließlich auf die bevorstehende Exkursion verweisen, die eine Vertiefung seines Vortrags bringen und viele der offen gebliebenen Fragen beantworten würde. Norbert Schön dankte ihm für seine überaus interessanten Ausführungen und wünschte allen Anwesenden einen guten Heimweg.

Bei der Exkursion am 20. April nach Hallein, zum Dürrnberg und zum Karlstein bei Bad Reichenhall hatte der Wettergott ein Einsehen und so konnte sie bei schönstem Wetter starten. Der voll besetzte Bus brachte Vereinsmitglieder und Gäste, zur ersten Station, dem Keltenmuseum in Hallein.

Hier empfing Dr. Wendling, Leiter des Museums, die Teilnehmer und führte durch die Ausstellung . Er erläuterte ausführlich die vorhandenen Exponate, die spektakuläre keltische Kunst, Gräberfunde, Schmuck, Waffen u. Alltagsgegenstände zeigt. Anhand eines Modells erklärte er die Topografie der Keltensiedlung am Dürrnberg. Das besondere an diesem keltischen Siedlungsstandort ist, das er in einem Feuchtgebiet liegt, sodass auch organische Materialien wie Stoffreste erhalten sind. Als Highlight konnte die 2.500 Jahre alte keltische Schnabelkanne vom Dürrnberg bestaunt werden. Diese ist eine Dauerleihgabe des Salzburger Museums. Hallein und der Dürrnberg blicken auf eine Jahrtausende alte Besiedlungsgeschichte zurück. 

Die schon in der Eisenzeit erschlossenen Salzvorkommen auf dem Dürrnberg brachten den Menschen erheblichen Wohlstand, was anhand der bedeutenden Funde belegt ist. Den Kelten brachte der Salzabbau  großen Reichtum, der sich auch in dem kunstvoll gearbeiteten Schmuck zeigt. Durch Reste von gefundenen Nahrungsmitteln und deren Untersuchung kann man heute genau bestimmen, wie die Menschen sich damals ernährt haben und von welchen verschiedenen Krankheiten sie befallen waren. Trotzdem erreichten sie ein relativ hohes Alter, zwischen 40 und 70 – 80 Jahren. Bereits im 16. Jh. fand man die„Zwei Männer im Salz“, durch konservatorische Bedingungen im Salzbergwerk erhaltene Leichen von unter Tage ums Leben gekommenen vorgeschichtlichen Bergmännern.  Zur Zeit befindet sich im Museum eine Sonderausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra, die ebenfalls besichtigt werden konnte. Diese Himmelsscheibe ist ein Beleg für die erstaunlichen astronomischen Kenntnisse der Menschen in der Bronzezeit.    Als Dank für die interessante Führung erhielt Dr. Wendling vom 1. Vorsitzenden ein Geschenk mit Oberaudorfer Bezug. Die Exkursion wurde mit der Fahrt zum Dürrnberg fortgesetzt. 

Am Dürrnberg angekommen erläuterte zunächst Dr. Irlinger die Topografie und die dort gefundenen Gräber und Grabhügel, welche von den Kelten in der Nähe ihrer Wohnstätte errichtet und teilweise mehrfach mit Toten besetzt wurden. Diesen wurden überaus wertvolle Grabbeigaben  mitgegeben, damit die Verstorbenen im Jenseits ein gutes Leben haben sollten. Diese Gegenstände zeigten aber auch den Wohlstand derjenigen, die ihre Angehörigen hier bestattet haben.

In unmittelbarer Nähe zur keltischen Grabanlage haben die Archäologen ein keltisches Dorf nachgebildet, das man besichtigen kann. In den einzelnen Gebäuden, bestehend aus einem Steinfundament und darauf aufgesetzten Holzbalkenwänden, werden unterschiedliche Alltagssituationen im keltischen Leben dargestellt.

Das Mittagessen mussten sich die Exkursionsteilnehmer mit einem kurzen, aber anstrengenden Aufstieg zum Lokal verdienen, was der guten Laune jedoch keinen Abbruch tat. Nach dieser Stärkung und der Besichtigung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg aus dem 12. Jh. ging es weiter über Bad Reichenhall zum Karlstein, den es ebenfalls zu erwandern galt.  Dr. Irlinger erläuterte in der Natur im Detail die Siedlungsfunde und die dort gefundenen Wohnstätten. Hier am Karlstein unterscheidet sich die Lage der keltischen Siedlung insofern gegenüber derjenigen vom Dürrnberg, als sie sich an einen schützenden Felsrücken lehnt und entlang des Transportweges angeordnet ist.

Als gebürtigem Reichenhaller war es dann Dr. Irlinger ein Leichtes, dem einhelligen Wunsch aller Teilnehmer nach einem abschließenden Biergartenbesuch nachzukommen. Er führte den Bus zielsicher zum benachbarten Thumsee, wo alle das Erlebte Revue passieren lassen konnten. Danach ging es bestens erholt zurück nach Oberaudorf.   

Auf der Rückfahrt bedankte sich Norbert Schön im Namen aller Teilnehmer bei Dr. Irlinger für diesen interessanten und ereignisreichen Tag. Dr. Irlinger lud dann noch die Anwesenden zur „Tagung BLfD und Gesellschaft für Archäologie in Bayern“ vom 26. bis 28.Oktober in Oberaudorf ein und verabschiedete sich mit Dank für das große Interesse der Mitglieder und Gäste des Historischen Vereins Audorf.

  

  

Vortrag von Georg Impler

Welch tiefes Summen, welch heller Ton - Von der Geschichte, Kunst und Magie der Glocken“

beim Historischen Verein Audorf e.V  

Die zahlreich erschienen Zuhörer begrüßte Norbert Schön, 1. Vorsitzende des Historischen Vereins Audorf, am 19. Februar im evangelischen Gemeindesaal zu einem Vortrag von Georg Impler über die Geschichte, Kunst und Magie der Glocken. Georg Impler hat zehn Jahre lang die BR Kulturredaktion „Zwölfuhrläuten“ betreut und ein Buch mit dem Titel „Glockenland- Bayerns klangvollste Kirchengeläute“ verfasst.   

Gespickt mit reichhaltigen Zitaten aus der Weltliteratur, passend zum Thema des Vortrages, gelang es dem Referenten Georg Impler mit seinem rund zwei stündigen Vortrag, die vielzählig vertretene Zuhörerschaft in die Magie der Glocken zu entführen. So bezieht sich das Zitat im Titel des Vortrags „Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton“ auf den Ostergesang in Goethes Faust.

Georg Impler bei seinem Vortrag im evangelischen Gemeindesaal in Oberaudorf

Nicht nur mit beeindruckenden Bildern zu allen in seinem Vortrag gestreiften Themen aus dem Bereich der Glocken faszinierte der Referent. Um das Ganze noch erlebbarer zu machen, präsentierte Georg Impler imposante Klangbeispiele berühmter Glocken. Unter ihnen die sogenannte „Gloriosa“ aus dem Geläut des Erfurter Domes, die im Jahre 1497 gegossen wurde. Auch sie ist ein Beweis dafür, dass, so Georg Impler, trotz modernster Technik die Klangqualität der Glocken in den vergangenen 500 Jahren nicht mehr verbessert werden konnte.

Georg Impler erläuterte das Wesen der Glocken unter den unterschiedlichsten Aspekten, wie zum Beispiel der Geschichte der Glocken (u.a. beim Leichenzug Alexander des Großen), dem Klang und dem Guss der Glocken, der Glockenzier, dem Klöppel, den Totenglocken, den Glockentürmen, den Glocken im Krieg, der Glockenweihe und so weiter. 

Besonders interessant war natürlich für die Zuhörer, was Georg Impler über die Oberaudorfer Kirchenglocken erzählen konnte: Es handelt sich um ein klangvolles fünfstimmiges Geläut, das 1949 in Erding gegossen wurde und für die Gemeinde Oberaudorf damals eine bedeutende Anschaffung war.

Da passte es dann ganz gut, dass der 1. Vorsitzende, Norbert Schön, im Rahmen der angeregten Diskussion ein Foto des Vereinsmitgliedes und Ortschronisten Josef Obermaier präsentieren konnte, das den Abtransport der Glocken aus der Oberaudorfer Kirche „Zu unserer lieben Frau“ und vom Nußlberg im Kriegsjahre 1917 zwecks Einschmelzung und Verarbeitung zu Waffen zeigt.

Abtransport der Oberaudorfer Kirchenglocken im Jahre 1917

 

Abschließend bedankte sich Norbert Schön nochmals beim Referenten und wünschte allen einen guten Nachhauseweg.

Bildvortrag von Prof. Dr. Walter Leitner zum Thema

„Ötzi- der Mann aus dem Eis  Sein Leben – sein Leiden – sein Tod“

beim Historischen Verein Audorf e.V.

Am 17. November 2017 konnte Norbert Schön, 1. Vorsitzender des Historischen Vereins Audorf die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste im Kursaal der Gemeinde Oberaudorf zu einer spannenden Vortragsveranstaltung begrüßen. Besonders freute er sich, als überaus kompetenten Referenten den Bozener Prof. Dr. Walter Leitner , Archäologe und Universitätsdozent für Ur- und Frühgeschichte Europas an der Uni Innsbruck und maßgeblich an Ausgrabungen im In- und Ausland beteiligt, begrüßen zu dürfen. Forschungsschwerpunkt von Prof. Leitner ist das archäologische Umfeld des Mannes im Eis sowie hochalpine Archäologie.

Modell der Fundstelle Ötzis

Prof. Leitner schilderte in seinem von beeindruckenden Bildern unterstützten Vortrag die Aufsehen erregenden Ergebnisse der nunmehr 26 Jahre andauernden Forschung an Ötzis Mumie. Dieser wurde am 19.9.1991 auf einer Bergwanderung in den Ötztaler Alpen auf dem Tisenjoch am Similaun von einem deutschen Ehepaar zufällig entdeckt. Nur der Oberkörper ragte aus dem Eis heraus. Das Foto zeigt ein Modell der Situation bei der Auffindung des mumifizierten Körpers.

Auch die bekannten Bergsteiger Reinhold Messner und Hans Kammerlander nahmen sie in Augenschein. Man hatte zunächst angenommen, einen Kriegsteilnehmer oder einen Bergsteiger gefunden zu haben. Bei der abenteuerlichen Bergung unter der Verantwortung der Gerichtsmedizin wurde er recht unsanft behandelt und sogar teilweise beschädigt. Als mit Professor Spindler von der Uni Innsbruck erstmals ein Archäologe die Mumie in Augenschein nahm, war man von dessen Beurteilung völlig überrascht, dass es sich bei der Mumie um einen 5.300 Jahre alten Menschen aus der Steinzeit handelte. Nun stritten Italien und Österreich, welchem Land die nun „Ötzi“ genannte Mumie gehören würde. Anhand des alten Grenzverlaufs wurde diese Österreich zugesprochen. Sämtliche Ausrüstungsgegenstände wie z.B. Bogen, Köcher, Pfeile, Beil und Rucksack Ötzis waren vorhanden. Diese und auch seine Bekleidung ließen auf eine besondere soziale Stellung in der Gemeinschaft schließen. Er war bei seinem Tod zwischen 43 und 51 Jahre alt, wog ca. 50 kg und war 1,60 m groß. Sämtliche Organe der Feuchtmumie waren geschrumpft aber noch vollständig vorhanden. Bei der Untersuchung des Mageninhalts und des gesamten Körpers wurde Überraschendes gefunden. Ötzi hatte diverse Krankheiten, die er anscheinend durch Tätowierungen, die seinen Körper an verschiedensten Stellen bedeckten, selbst behandelte. Die Erforschung dieser Behandlungsmöglichkeiten mittels Akupunktur durch die Chinesen erfolgte erst ca. 2000 Jahre später!. War Ötzi ein Heiler oder Schamane oder gar ein Tyrann, der bei seinem Stamm nicht mehr beliebt war und daher nach einem Angriff, der seine Hand mit einem Beil schwer verletzte, in die Berge flüchtete? Nun begann eine regelrecht kriminalistische Deutung seiner Flucht. Erst spät wurde auf Röntgenaufnahmen entdeckt, dass sich in seiner Schulter eine Pfeilspitze befand. Man kann annehmen, dass er bei einer Rast durch einen Pfeilschuss in den Rücken getroffen wurde und schnell verblutete. Seine Ausrüstungsgegenstände stellten für die damalige Zeit geradezu einen Luxus dar. Da sie bei dem Sterbenden verblieben waren und von dem oder den Mördern nicht mitgenommen wurden kann man unterstellen, dass er oder sie vermeiden wollten, sich durch den Besitz derselben als seine Mörder zu verraten.

Da einige Menschen, die mit dem Fund oder der Untersuchung des 'Eismannes' in Verbindung standen, inzwischen verstarben, wurde von der Presse schon vom „Fluch des Ötzi“ gesprochen. Dies gehört jedoch in das Reich der Fantasie, wie Prof. Leitner ausdrücklich betonte.

Die Mumie des Ötzi befindet sich im Museum in Bozen in einer speziell errichteten Kühlkammer. Dies bedeutet jedoch auch weiterhin ein großes Problem, da seine Konservierung ungeheuer schwierig ist und auch für die Forschung ein großes Problem bedeutet. So kann Ötzi immer nur für kurze Zeit den Wissenschaftlern für weitere medizinische Untersuchungen  zur Verfügung stehen. Hier ist auch in der Zukunft noch viel Forschungsarbeit zu leisten. Jährlich besuchen ca. 270.000 Interessierte das Museum.

Prof. Leitner fesselte mehr als zwei Stunden das Publikum mit der Fülle der mittlerweile vorliegenden Forschungsergebnisse. In der abschließenden Diskussion beantwortete er gerne die Fragen der wissbegierigen Anwesenden, die sich mit lang anhaltendem Applaus für den aufschlussreichen und spannenden Vortrag bedankten. Der 1. Vorsitzende Norbert Schön schloss sich gerne diesem Dank an und wünschte allen Zuhörern eine gute Heimfahrt.

Exkursion nach Schwaz und zum Schloss Ambras

Historischer Verein Audorf
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